Steinzeittempel auf Malta

Zwischen 4100 und 2500 vor Christus mitten in der Steinzeit entstand auf der Mittelmeerinsel Malta eine ganz eigene Kultur mit einem einzigartigen und seinerzeit unvergleichlichem Baustil. Die freistehenden, aus gewaltigen Megalithen bestehenden Anlagen, die in dieser Zeit errichtet wurden, sind älter als die Pyramiden in Ägypten und der mächtige Steinkreis von Stonehenge in England. Vergleichbar sind die Anlagen mit Göbekli Tepe in der Türkei, dessen Kreise jedoch bereits vor 10.000 Jahren entstanden.

Welchen Zweck erfüllten die Steinzeittempel?

Die bedeutendsten und am besten erhaltenen steinzeitlichen Anlagen sind Ggantija auf Gozo sowie Hajar Qim, Mnajdra und Tarxien auf Malta. Einzigartig ist das etwa zur gleichen Zeit wie der benachbarte Tempel von Tarxien entstandene unterirdische Hypogäum von Hal Saflieni. Heute sprechen wir von Tempeln. Ob die steinzeitlichen Anlagen tatsächlich diesen Zweck erfüllt haben, lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. Schließlich sind uns aus dieser Zeit keine schriftlichen Aufzeichnungen überliefert. Zahlreiche Statuetten, die eindeutig üppige weibliche Formen zeigen, lassen jedoch auf kultische Rituale schließen. Die unterirdische Anlage nahe Tarxien beherbergte überdies die Knochen von 7000 Menschen. Dies lässt vermuten, dass das Hypogäum als Begräbnisstätte diente. Die nahegelegene Anlage von Tarxien könnte als Tempel für die Lebenden gedient haben.

Aufbau der Steinzeittempel

Die meisten der Steinzeittempel auf Malta bestehen aus einem mehrere Meter langen Hauptgang, von dem nahezu runde oder ovale Kammern abzweigen. Diese werden aufgrund ihrer Form Apsiden genannt. Die Anzahl der Apsiden ist unterschiedlich. Im Tempel Gigantija auf Gozo finden sich zwei nebeneinandergelegene Anlagen, von denen jede insgesamt über vier  Apsiden verfügt. Die Anlage von Tarxien besteht insgesamt aus vier Teilen. Der jüngste Tempel, der um circa 2500 errichtet wurde, besitzt dabei sogar über sechs Apsiden. Die einzelnen Anlagen sind von einem Wall umgeben und waren ursprünglich überdacht. Die steinzeitlichen Baumeister verwendeten am liebsten Globigeriner Kalkstein. Dieser war besonders leicht zu bearbeiten. Die nahe dem Meer gelegenen Anlagen von Hajar Qim und Mnajdra wurden vollständig aus diesem leicht zu bearbeitenden, aber auch einfach verwitternden Gestein erbaut. Die Außenwände andere Tempel wie zum Beispiel Tarxien oder Gigantija wurden hingegen aus dem sehr harten, schwer zu bearbeitenden Korallenkalkstein errichtet. Für diese Tempel wurde der Globigeriner Kalkstein auch von weit entfernten Steinbrüchen herbeitransportiert. Aus diesem Gestein wurden beispielsweise Altäre, Durchgänge und Statuen geschlagen.

Das Ende der Steinzeitkultur auf Malta

Ab 2500 vor Christus finden sich plötzlich keine menschlichen Spuren mehr – weder von den steinzeitlichen Baumeistern noch von anderen Kulturen. Ob die Menschen feindlichen Übergriffen, einer Naturkatastrophe oder einer Seuche zum Opfer gefallen sind? Bisher gibt es verschiedene Theorien, von denen sich jedoch keine belegen lässt.

Erst 500 Jahre später setzt eine Bauperiode ein, die der Jungsteinzeit zugerechnet werden kann. In dieser Zeit entstanden weitere Anlagen wie die von Borg Nadur. Außerdem wurden einige ältere Anlagen weitergenutzt – beispielsweise der Tempel von Tarxien als Ort für Feuerbestattungen. In dieser Zeit entstanden wohl auch die rätselhaften, Cart Ruts genannten Schleifspuren. Die einleuchtendste Erklärung dafür ist, dass diese tief eingeschnittenen Spuren beim Bergbau entstanden.

Praktische Tipps für Ihre Malta-Reise

Die meisten steinzeitlichen Anlagen sind täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt zwischen 5 und 6 Euro pro Tempel. Besonders gut aufgemacht ist die Anlage, die Hagar Qim und Mnajdra umfasst. Denn zu diesen Anlagen gehört auch ein Museum. Zur Einstimmung wird ein Film gezeigt. Darüber hinaus werden mehrere Artefakte ausgestellt und es gibt einen kleinen Bereich mit dem Motto „Archäologie zum Anfassen“. Beide Tempel haben mittlerweile ein schützendes Dach erhalten, um der Verwitterung durch die Meeresluft Einhalt zu gebieten.

Die große Anlage von Tarxien hingegen liegt mitten in einem Wohnviertel von Paola nahe Valletta und ist relativ einfach zu erreichen. Das besondere an Tarxien ist die Möglichkeit, von oben über die Anlage hinwegsehen zu können.

Eine Ausnahme stellt das Hypogäum von Hal Saflieni dar. Dieses enthält steinzeitliche Fresken, die vor Feuchtigkeit geschützt werden müssen. Pro Tag sind deswegen nur 80 Besucher zugelassen. In den Sommermonaten ist ein Ticketkauf über das Internet dringend empfohlen. Dies ist möglich unter https://booking.heritagemalta.org/ Der Eintritt pro Person beträgt 20 Euro.

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